FRAGMENTE II – Spurensuche als Werkzeug zum experimentellen Entwerfen
„Es ist in jedem Augenblick mehr vorhanden, als das Auge zu sehen und das Ohr zu hören vermag – immer gibt es einen Hintergrund oder eine Aussicht, die darauf warten erforscht zu werden. Nichts wird durch sich selbst erfahren, alles steht im Zusammenhang mit seiner Umgebung, mit der Aufeinanderfolge von Ereignissen, die zu ihm hinführen, mit der Erinnerung an vergangene Erlebnisse.“ ¹
1 Kevin Lynch, Das Bild der Umwelt, aus: Das Bild der Stadt, 1960
Durch den Strukturwandel in Europa entwickeln sich ganze Stadtteile an post-industriellen Gewerbegebieten zu verlorenen Orten oder werden zu Objekten der Spekulation. Zugleich fehlt es nicht an tiefgründigen Beispielen dafür, wie genau diese einst der Produktion oder dem Handel vorbehaltenen Bereiche transformiert und umgenutzt werden können. Einzig: sinnfällige Vorschläge müssen sensibel auf den jeweiligen Kontext reagieren.
Nachdem die Bedeutung der hiesigen Textilindustrie an Bedeutung verloren und Industriestandorte stillgelegt wurden, befindet sich die Wuppertaler Region in einem solchen Entwicklungsprozess. Seit einigen Jahren werden die Potenziale dieses industriellen Erbes bereits ausgebaut: stillgelegte Bahntrassen werden zu Fahrrad- und Fußgängerstrecken, leerstehende Fabriken zu Orten der Zusammenkunft. Auf Grundlage der Auseinandersetzung mit Defiziten wie Potenzialen dieser gesellschaftlichen und architektonischen Bedingungsfelder, möchten wir im Rahmen des Semesterentwurfs eine historische, gesellschaftliche oder architektonische Spurensuche initiieren: Welche Fragmente der industriellen Vergangenheit können heute als wertvolle Entwurfsparameter fungieren? Wie hat sich die Stadtgesellschaft im Zuge der Deindustrialisierung entwickelt und welche neuen Bedürfnisse ergeben sich daraus? Am Ende der Spurensuche steht die Frage nach dem Umgang mit dem Vorgefundenen und der daraus resultierenden sinnfällige Übertrag in ein architektonisch-räumliches Konzept für eine eigene Bauaufgabe.
Die Aufgabe begreift die Spurensuche daher als Werkzeug für das experimentelle Entwerfen und befragt das Vorgefundenen, die Resonanzen kollektiver Erinnerungskulturen und Beziehungen zwischen vorgegebenen Sachverhalten ein jedes Mal aufs Neue. Insbesondere soll diese Untersuchung das dialektische Potential der materiellen wie immateriellen Relikte des Ortes betrachten. Eine tiefgreifende Recherche soll vorhandene Überreste der drastischen gesellschaftlichen wie landschaftlichen Veränderungen aufzeigen und als Grundlage für das Entwickeln räumlich-atmosphärischer Thesen dienen.
Prüfender
Prof. Berthold H. Penkhues
Betreuende
Sulafa Isa + Christian Jensen
Bearbeitungszeitraum
08.04.2026 – 15.07.2026
Ausgabe
08.04.2026, 10.00, IEX
Entwurfsexkursion
23.04.2026 – 24.04.2026, Wuppertal
Bearbeitung
Einzelarbeit
Korrekturen
wöchentlich
Zwischenkritiken
06.05.2026 + 03.06.2026 + 24.06.2026
Schlusskritik
15.07.2026
