IEX-26-27WS-MEX

FRAGMENTE III – Spurensuche als Werkzeug zum experimentellen Entwerfen

IEX_26-27WS_MEX_Ankündigung

„Die spezifische Wahrheit des Ortes: Die Geographie des Ortes als physische Manifestation seiner Geschichte ist das, was – in der Begrenzung – erlaubt zu handeln. Diese Geschichte verwerten heißt, die Sammlung der Funde des Ortes als begrenzten Park privilegierter Materialien für das spezifische Projekt zu wählen.“ ¹

1 Vittorio Gregotti, ›Moderne‹ und ›Neue Modernität‹, in: archithese, 1987-4, S.57

„Betonaltäre, errichtet im Angesicht der Leere des Meereshorizonts“ faszinieren den französischen Philosophen und Urbanisten Paul Virilio seit seiner Kindheit. Er betrachtet die Bunker des Atlantikwalls nicht nur als militärische Zweckbauten, sondern als monolithische Skulpturen und architektonische Vorboten einer Gesellschaft, die von permanenter Bedrohung und permanenten Beschleunigungswahn geprägt ist. 1975 richtet er im Musée des Arts décoratifs die Ausstellung «Bunker archéologie» ein. Sein einflussreiches Fotoprojekt und kulturphilosophisches Werk betrachtet den architektonischen Fremdkörper als prägendes Monument des 20. Jahrhunderts und als radikale Manifestation des totalen Krieges. Es begreift den Bunker als paradoxen Ort absoluter Sicherheit, der gleichzeitig den Verlust der Freiheit bedeutet.

Die Auseinandersetzung mit der Typolgogie des Bunkers soll das aus dem Wunsch der deutschen Besatzungsmacht nach Herrschaftssicherung entstandene sozialgeschichtliche und räumliche Moment der (ehemaligen) Verteidigungslinie behandeln und die militärischen Befestigungsanlagen mit ihren raum-spezifischen Qualitäten als Ressource für einen politischen und künstlerischen Prozess begreifen. Die kritische Auseinandersetzung mit charakteristisch räumlich-inhaltlichen Situationen – vom territorialen Kontext bis hin zu klein-maßstäblichen Interventionen – soll einen sinnfälligen Transformationsprozess initiieren, der bewusst die Beziehungen zwischen introvertiertem Schutzraum und offener Gesellschaft hinterfragt.

Der experimentelle Masterentwurf begreift die Spurensuche daher als Werkzeug für das experimentelle Entwerfen und befragt das Vorgefundene, die Resonanzen kollektiver Erinnerungskulturen und die Beziehungen zwischen vorgegebenen Sachverhalten ein jedes Mal aufs Neue. Insbesondere soll diese prozessorientierte und ergebnisoffene Untersuchung das dialogische Potential der materiellen wie immateriellen Relikte des authentischen Ortes betrachten. Eine tiefgreifende Recherche soll vorhandene Überreste der drastischen gesellschaftlichen wie landschaftlichen Veränderungen aufzeigen und als Grundlage für das Entwickeln sowohl räumlich-atmosphärischer als auch funktional-diagrammatischer Übersetzungen dienen.

Prüfender
Fabian Onneken, Verwaltungsprofessor
Betreuende
Sulafa Isa + Christian Jensen
Bearbeitungszeitraum
21.10.2026 – 03.02.2027
Ausgabe
21.10.2026, 10.00, IEX
Entwurfsexkursion
06.11.2026 – 08.11.2026, Nordsee
Bearbeitung
Einzelarbeit
Korrekturen
wöchentlich
Zwischenkritiken
18.11.2026 + 16.12.2026 + 13.01.2027
Schlusskritik
03.02.2027